EMC Pressemitteilung 07/2012 European Music Council

Safar – Reise


Safar – Traditionelle Afghanische Musik in Bonn
 
Auf Einladung des Europäischen Musikrats (European Music Council, EMC) führte im Rahmen des Projektes Safar (zu deutsch) die Reise am 9. und 10. Juli 2012 fünf Meister afghanischer traditioneller Musik und zwei ihrer jungen Schüler nach Bonn.
 
Die Situation von Musik in Afghanistan wurde in einem abwechslungsreichen Programm veranschaulicht. In einem Jugendworkshop stellten sich der 14-Jährige Rubab-Spieler Samim Ahmad und der 15-jährige Pianist Elham Said vor und präsentierten ihr musikalisches Können. Beide sind Schüler am Afghan National Institute of Music (ANIM) – eine in Kabul ansässige Musikschule mit 140 Schüler, die auch als allgemeinbildende Schule für Mädchen und Jungen fungiert. Das Motto der Schule weist in die Zukunft „Rebuilding Lives Through Music and Education“.
 
Der Leiter des ANIM, Dr. Ahmad Sarmast, gewährte in seinem Vortrag am Montagabend im Schumannhaus einen Einblick, wie Musik unter den verschiedenen Systemen zum Spielball der Politik wurde und wie sie v.a. unter der Talibanherrschaft schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. „Auch wenn es derzeit für Musik keine Zensur in Afghanistan gibt“, so Sarmast, „ist es schwierig traditionelle afghanische Musik in einem der 100 kommerziellen Radiosender zu hören“. Mirwais Sidiqi (Aga Khan Music Initiative in Central Asia) ergänzte „damit unsere traditionelle afghanische Musik über sechs Wochen lang in einem Radio gespielt wird, müssen wir hohe Geldsummen an die Sender zahlen“. Daher setzt sich Sarmast dafür ein, dass kulturpolitische Richtlinien entwickelt werden, um die musikalische Vielfalt Afghanistans zu schützen und zu fördern. So hat Afghanistan die UNESCO Konvention zur kulturellen Vielfalt aus dem Jahr 2005 und die Konvention zum immateriellen Kulturerbe (2003) zwar ratifiziert, für eine Umsetzung in konkretes politisches Handeln brauche es jedoch „Zeit, Politik und Glück“, so Christine Merkel, Leiterin der Abteilung Kultur der deutschen UNESCO Kommission. Frans de Ruiter, Präsident des Internationalen Musikrates (International Music Council, IMC) betonte, dass Initiativen, wie das ANIM, das im Jahr 2009 den IMC „Musical Rights Award“ erhielt, in ihrer Arbeit die kulturpolitischen Notwendigkeiten reflektierten und dass Bildung und Kultur nicht getrennt sondern stets im Verbund behandelt werden sollten. Tiago de Oliveira Pinto (Leiter des Instituts „Transcultural Music Studies“ der HfM Weimar) ergänzte, dass sich die Türen auf beiden Seiten öffnen müssten und immaterielles Kulturerbe als intelektueller Mehrwert, immer wieder aufs Neue betont werden müsse.
 
Am Dienstagabend wurde das zuvor Besprochene hörbar: Ustad Ghulam Hossain (Rubab), Ustad Amrudin (Dilruba), Mohammad Jawed (Tabla), Abdul Latif (Dhol), Mohammad Ehsan (Tanbur) begeisterten gemeinsam mit dem Schüler Samim (Rubab) das Publikum im Gremiensaal der Deutschen Welle. Die schnellen Finger Mohammad Jaweds an der Tabla und Ustad Amrudins Dilruba, der als letzter Lehrer dieses Instruments in Afghanistan tätig ist, werden lange in Erinnerung bleiben. Im zweiten Teil des Konzertes gesellten sich die deutschen Musiker Arne Jansen (Gitarre), Jörg Holdinghausen (Bass) und Jan Burkamp (Schlagzeug) auf die Bühne. Das Zusammenspiel der deutschen und afghanischen Musiker, die musikalische Kommunikation in Frage und Antwort und nicht zuletzt die Freude aller Musiker am gemeinsamen Spiel übertrugen sich auf die Besucher. Es war ein deutsch-afghanischer Abend in der Deutschen Welle, sowohl auf der Bühne als auch im Publikum – eine Begegnung mit Musik, die für die einen zur kulturellen Identität gehört und für die anderen neue Klangwelten eröffnete. Die Deutsche Welle hat das Konzert aufgezeichnet und wird diesen Mittschnitt, im Rahmen ihres Kulturauftrages zur Förderung der europäischen Integration und internationalen Zusammenarbeit, weltweit und unter anderem in Afghanistan ausstrahlen - einen Konzertausschnitt und eine Berichterstattung finden sie hier.
 
Safar in Bonn hat auf eindrückliche Weise gezeigt, dass die Begegnung mit Afghanistans Musik neue Bilder und Eindrücke entstehen lassen kann. Bilder, die eine Seite Afghanistans abseits von Krieg und Terror zeigen; eine Seite, die es zu schützen und zu wahren gilt.
 
Der Europäische Musikrat möchte sich bei allen bedanken, die es möglich gemacht haben, dass das Projekt auch in Bonn Station machen konnte:

Stadt Bonn
Stiftung Bonner Musikleben
Bonner Schumannfest
Deutsche UNESCO Kommission
Deutsche Welle


Partner:








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